Was unsere Sprache über unsere innere Haltung aussagt

Kommunikation

Kommunikation mit Kindern

Wenn unsere Kinder noch Babys sind, dann reagieren sie auf den Klang unserer Stimme, auf unseren Gesichtsausdruck beim Sprechen und auf unsere Berührungen und Gesten. Das Baby selbst, kann sich nur über seinen Körper und Laute verständigen. Das ist ungewohnt und wir fragen uns oft, was das Baby denn jetzt will, wenn es schreit. Wir können seine ersten Worte kaum erwarten, weil wir glauben, dass die Verständigung dann einfacher wird.


Die Sprache ist natürlich im ersten Moment immer ein Hindernis für die Verständigung. Marcel Marceau (*1923) 

Nun ja, wir wissen wie es weiter geht mit der Sprache, dem Verstehen und der Verständigung zwischen Eltern und Kindern. Da geht schon vieles schief. Wir benutzen Worte und Floskeln oft unbedacht. Auch können Worte mehr verletzen, als wir glauben. Unsere Kinder hören genau WAS und WIE wir etwas sagen.

Macht euch schon mal fertig

Wenn ich das zu meinen Jungs vorm Zubettgehen sage, dann drehen sie oft noch mal richtig auf und streiten sich, dass die Fetzen fliegen. Das muss ich nicht verwunderlich finden, denn sie haben meine Aufforderung sehr wörtlich genommen. Dabei habe ich lediglich die faule Abkürzung benutzt für “ Zieht bitte euren Schlafanzug an, putzt die Zähne und danach lesen wir noch gemeinsam die Geschichte zu Ende“

Warum sagen wir nicht klar, was wir wollen? Wenn wir uns immer verschlüsselt ausdrücken, weiss unser Gegenüber nicht, was wir meinen. Daraus entstehen Missverständnisse.

Du!  Du! Du!

„Du könntest endlich mal Dein Zimmer aufräumen! “

Puh – diese Situation ist ein Klassiker. Unterschiedliche Ordnungs- und Sauberkeitsbedürfnisse führen gerne zu Konflikten in der Familie. Statt beschuldigenden Du-Aussagen, sollten wir Ich-Botschaften formulieren. Ich-Botschaften bringen Gefühle und Wünsche zum Ausdruck, vermeiden Streits und sorgen für ein tolerantes Miteinander.

“ Ich würde mich total freuen, wenn Du ein wenig Ordnung in Deinem Zimmer machst. Wenn Du Hilfe brauchst, bin ich dabei “

Eine respektvolle und liebevolle Sprache bewirken höflichen Umgang untereinander. Wir dürfen unseren Kindern früh beibringen, dass sie mit der Sprache viel bei Anderen auslösen können und deshalb dürfen wir als Vorbilder voran gehen.

Das Wissen darum, dass die Eltern meinen, was sie sagen, und sagen, was sie meinen, ist eines der besten und langlebigsten Geschenke, das wir unseren Kindern machen können.
(Jesper Juul)

Kommunikation mit Kindern

Dürfen statt Müssen

Die Sprache hat unmittelbaren Einfluss auf unsere innere Haltung und unsere Gefühle. Konjunktive wie „ich könnte“, „ich müsste“, „ich würde“, etc. strahlen eine unsichere Haltung aus und kommen beim Gegenüber auch so an, wenn auch unbewusst.

“ Ich müsste mal wieder Sport machen“  oder “ Ich will wieder Sport machen“ Nach welchem Satz bist Du motiviert ins Tun zu kommen und zu sporteln?
Das gilt auch für unsere Kinder: „ich muss noch lernen“ oder “ ich darf noch etwas lernen“ – das hat eine andere Ausstrahlung.
Beim „Dürfen“ wird eine positive Einstellung sowie eine neue Möglichkeit eröffnet. Wenn wir das Gefühl haben, etwas tun zu müssen, empfinden wir hingegen Ablehnung.

Wenn in der Schule etwas Neues unterrichtet wird, wird allein durch den Satz, “ heute wird es besonders spannend und ganz leicht “ eine positive emotionale Haltung ausgelöst und die Kinder werden viel leichter lernen wollen, als wenn der Satz lautet: “ was wir heute machen, ist echt schwierig…“

Aus der Neuroforschung wissen wir, dass Kinder am besten an Aufgaben wachsen können, die ihre Neugier und Lust am Lernen erhalten.

 

Eltern sind auch in der Kommunikation Vorbild

Eine positive innere Haltung drückt sich dadurch aus, wie ein Mensch über sein Leben denkt, über andere Menschen denkt, wie seine eigene Welt sich für ihn anfühlt.  Ob wir das Glas als halb voll, oder halb leer betrachten, drückt sich auch in unserer Sprache aus. Unsere Kinder hören uns zu, beobachten uns und ahmen uns nach. Wenn wir ihnen eine positive Haltung gegenüber dem Leben mitgeben wollen, dann können wir damit anfangen, auf eine respektvolle, wertschätzenden und klare Kommunikation zu achten.

Eure Claudia

Wie läuft es so in der Kommunikation mit euren Kindern? Ich freue mich auf Dein Feedback in den Kommentaren !