Macht mehr Fehler, sonst lernt ihr nichts

Fehler-machen

Letzte Woche habe ich einen Vortrag in der Schule gehalten. Da ging es vor allem um das Thema Motivation bei  Grundschülern und das Fehler-machen-dürfen. Es entstand eine große Diskussion darum, ob wir Fehler machen dürfen oder auch sogar Fehler zugeben dürfen.

Scheitern macht schlau

Kleine Kinder haben großen Spaß dabei, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Sie probieren etwas so lange, bis es funktioniert. Wenn sie beim Laufen hinfallen, freuen wir uns wenn sie aufstehen und wenn sie beim Sprechen die Worte verwechseln, dann loben wir sie, dass sie es überhaupt versuchen. Sobald sie aber in die Schule kommen, lernen sie, dass Fehler unerwünscht sind. Etwas falsch machen bedeutet, eine Schwäche zu haben, danach bewertet und beurteilt zu werden.

Es gibt keine Fehler, sondern nur Feedback

So lautet eine Grundannahme im NLP. Weder der Herzschrittmacher noch das Penicillin würden existieren ohne Fehler. Entscheidend ist, dass Fehler uns helfen, etwas zu lernen und uns zu entwickeln. Wenn etwas nicht funktioniert, versuche etwas Anderes. Unser Gehirn bildet bei jedem Fehler und den daraus gezogenen Schlüssen neue Verschaltungen, sogar bis ins hohe Alter. Durch Fehler sammeln wir Erfahrungen. Wenn etwas dann funktioniert wie es soll, sind wir noch motivierter und machen weiter.

Ich finde es wichtig, dass wir das Wissen um die Wichtigkeit von Fehlern in unserem Leben und unserem Umgang miteinander mehr wertschätzen. Fehler machen ausdrücklich erlaubt !

Anderen Fehler zugestehen

Alle Menschen machen Fehler. Auch die Lehrerin oder der Lehrer, auch unser Vorgesetzter, unsere Freunde, unsere Kollegen und unser Partner. Wenn wir wollen, dass sich unsere Fehlerkultur ändert, dann können wir selbst dazu beitragen.

  • Lobt euch selbst für eure Fehler. Vielleicht habt ihr heute einen besonders tollen Fehler gemacht. Fragt euch Abends, was ihr am heutigen Tag daraus gelernt habt.
  • Gesteht euren Mitmenschen Fehler zu. Geht freundlich mit ihnen um, auch wenn etwas schief geht. Manchmal ist auch hier ein Lob angebracht: `Ich finde es toll, wie Du das machst ! `  oder `Gut, dass Sie gleich gesagt haben, was passiert ist`
  • Verurteilt nicht die Fehler, sondern untersucht die Gründe. Schaut hinter das Offensichtliche und verurteilt nicht sofort.

Ich lerne jeden Tag mit und durch meine Kinder

Gestern war ich mit meinen Jungs im Kletterpark und ich wollte zum ersten Mal klettern; mit Karabiner Sichern, Entsichern, Sichern – der eine oder andere weiß, wovon ich spreche.
Als gute Mutter habe ich mich hinter meinen jüngeren Sohn eingereiht,um ihm helfen zu können, falls er Unterstützung benötigt. Gleich beim ersten Kletter-Pfad habe ich mich etwas ungeschickt beim Sichern und Entsichern angestellt. Prompt bin ich nicht weitergekommen und die wartende Schlange hinter mir wurde länger und länger. Mein älterer Sohn gab dann von unten Anweisung mit den Worten, „Mami, bleib jetzt ganz ruhig und mach eines nach dem anderen…“, bis ich die Entsicherung wieder drauf hatte und hinter meinem Jüngsten hinterher klettern konnte. Der wiederum hatte dann nur noch zu sagen, dass es doch ganz klar sei, “ manche Dinge könnt ihr Erwachsenen besser und manche Dinge eben wir Kinder“

Mein Fehler, möglichst schnell hinter meinem Sohn zu klettern und dabei zu vergessen, für mich zu sorgen, hat alle hinter mir warten lassen…

Gelernt habe ich, dass meine Kinder schon ganz schön viel können und wenn es darauf ankommt, sogar uns Eltern den richtigen „Klick“ zeigen können :-)

Mein Fazit:

Nur wenn wir unsere Kinder ausprobieren lassen und erforschen lassen und dabei Fehler machen lassen, werden sie stark. Sie dürfen lernen die Enttäuschungen auszuhalten, die manchmal mit Fehlern verbunden sind. Wir selbst sind dabei Vorbild. Wir können vorleben, wie wir mit unseren Fehlern umgehen, dass wir uns und Andere nicht dafür verurteilen und dass sie uns ermutigen es noch mal zu versuchen. Wenn wir unseren Kindern positives Feedback vor allem für das was sie ausprobieren und richtig machen geben, dann fördern wir ihre Eigeninitiative, ihren Lebensmut und ihr Vertrauen in ihre eigenen Potentiale.

Eure Claudia

Wie geht ihr mit euren Fehlern um? Welche Anregungen hast Du, um Kinder zum Ausprobieren und Fehler machen zu ermutigen? Ich freue mich sehr über Dein Feedback in den Kommentaren