So arbeite ich als Jugendcoach

Jugendcoach Claudia Pfister

Ich bekomme oft Fragen von Eltern, wie so ein Coaching mit Kindern und Jugendlichen überhaupt abläuft, bzw. was ich denn da überhaupt `mache`.

Gerne greife ich das auf. Bitte schickt mir eure Fragen und Themen. Künftig werde ich in regelmässigen Abständen über meine Arbeit, die Herausforderungen der jungen Menschen und die vielen positiven Erlebnisse und Veränderungen schreiben.

Ist das wirklich mein Kind?

Letzte Woche hatte ich einen 14jährigen Jungen bei mir. Seine Mutter sagte mir, er leide sehr in der Schule unter seinem mangelnden Selbstbewusstsein.
Herein kam ein selbstbewusster, junger Mensch, der klar und direkt im Gespräch agierte. Ich kann mich nicht erinnern, mit 14 Jahren schon so selbstsicher gewesen zu sein.
Der Junge kam bei mir ganz anders rüber als er offensichtlich bei seinen Eltern ankommt
Woran liegt das ?

Interesse an anderen Perspektiven und Zeit zum Zuhören

Jeder Mensch ist einzigartig, hat eigene Werte, Motive und Weltanschauungen. Für mich ist es immer unglaublich interessant, die Welt des Menschen, der zu mir kommt, kennenzulernen. Um einen Zugang zu dieser Welt zu bekommen, höre ich hauptsächlich zu und frage nach. Was bewegt diesen Menschen? Was begeistert ihn, was sind seine Wünsche und was bereitet ihm Sorgen? Ich spüre, wie wichtig es vor allem für Kinder und Jugendliche ist, mit all diesen Themen ernst genommen zu werden.

Im Gespräch mit dem Jungen kam schnell heraus, dass ihm nicht sein mangelndes Selbstbewusstsein oder der Schulstoff Schwierigkeiten bereitete. Seine grosse Herausforderung war es, sich selbst zu organisieren. Wann er welche Schulaufgaben schreibt und welche Dinge bis zu welchem Termin erledigt sein müssen – das schien ihn zu überfordern. Oft war er bei Prüfungen daher nicht vorbereitet, vergass Hausaufgaben und bekam schlechte Zensuren. Hinzu kam, dass er sich mit diesen Dingen allein gelassen fühlte, da seine Mutter berufstätig ist und ihn zuhause nicht unterstützen konnte.

Vertrauen und Zufriedenheit

So wie jeder Mensch seine eigene Weltsicht hat und in der für ihn besten Absicht handelt, so glauben wir oft auch, dass unsere persönliche Anschauung auch die beste für ALLE ist. Als Eltern sind wir versucht unsere eigene Sicht der Dinge auch bei unseren Kindern vorauszusetzen. Das ist aber nicht unbedingt der Fall und wenn wir allzu sehr darauf beharren, dass nur wir wissen wie es richtig ist, dann sind Konflikte, Missverständnisse und Vertrauensverlust die Folge.

Versuchen wir doch, unseren Kindern mehr zu vertrauen, in ihren Schuhen zu gehen und zuzulassen, dass auch andere Wege zum Ziel führen können.
Die Mutter des Jungen ist davon ausgegangen, dass ihr Sohn ohne Unterstützung mit der Organisation der schulischen Arbeiten zurecht kommt. Die schlechten Zensuren und vergessenen Schulaufgaben schrieb sie dem mangelnden Selbstbewusstsein oder der Schüchternheit des Jungen zu. In unserer Arbeit miteinander, hat sie ihren Sohn wieder neu kennengelernt. Wir haben besprochen, wie sie ihn trotz ihrer häufigen Abwesenheit zuhause unterstützen kann.
Ein Kalender an der Zimmertür, den Mutter und Sohn gemeinsam mit den wichtigen Terminen befüllen und die regelmässige, liebevolle Erinnerung an die anstehende Vorbereitung auf die bevorstehenden Termine waren die einfachste Lösung.
Ihr Sohn versprach, sich die Termine in der Schule in einem dafür vorgesehenen Heft zu notieren.

Schatzsucher statt Punktrichter

Eine gute Freundin von mir hat mir vor langer Zeit gesagt, dass Sie bewundere, dass ich Menschen nicht bewerte. Das ist heute ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit als Coach.

Unsere persönliche Weltanschauung beinhaltet auch unsere persönlichen Werte, die uns wichtig sind. Diese sind der Maßstab für die Bewertung von `richtigem` und `falschen` Verhalten und verleiten uns auch oft dazu, andere Menschen nach unseren Maßstäben zu bewerten.

Ich begleite meine Coachies dabei, ihre eigenen Werte zu entdecken und gehe mit ihnen auf Schatzsuche zu ihren inneren Motiven. Auf dieser spannenden Reise verstehen sie dann, weshalb sie sich so verhalten und denken und ihre Eltern vielleicht anders.
Sie fangen an sich selbst zu akzeptieren und zu mögen.

Im Falle des 14-jährigen Jungen haben wir gemeinsam entdeckt, dass er am meisten Freude und Motivation in der Zusammenarbeit mit anderen entwickelt. Als Teamplayer bekommt er produktive Anregung im Kontakt mit anderen Menschen. Da er zu Hause mit Niemandem lernen konnte, überlegten wir gemeinsam, ob das in einer Gruppe mit Gleichaltrigen oder auch Älteren möglich wäre. Schnell fand sich ein Klassenkamerad, der in einigen Fächern mit ihm zusammen lernen wollte. So waren beide motiviert und hatten auch noch Spaß beim Lernen

Mit den gefundenen Lösungen waren alle einverstanden und glücklich.

Der Junge spürte, dass seine Mutter ihm vertraute und ihn sogar unterstützte und das stärkte sein Selbstbewusstsein.

Fazit

In meinem Coaching geht es sehr stark um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Potentiale. Und zwar sowohl bei den Eltern, als auch bei den Kindern. Ich bekomme oft das Feedback, dass die Coachies in relativ kurzer Zeit, in etwa 2-3 Sitzungen eine neue, innere Haltung annehmen. Sie verstehen sich selbst besser und mögen sich mehr. Dann passiert meist etwas Tolles: sie können ihr Verhalten in bestimmten Situationen ändern, andere Perspektiven und Gedanken zulassen und damit wieder glücklicher und zufriedener werden.

Eure Claudia

War der Artikel für euch hilfreich? Habt ihr weitere Fragen zu meiner Arbeit? Ich freue mich über euer Feedback !

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